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Biographie

Ein Mann der Hits & Rekorde:

Alleine sein Best Of-Album "ALLES" ging zwei Millionen mal über den Ladentisch und rangierte mehr als 130 (!) Wochen in den Charts, er wurde fünf mal in Folge mit dem "Echo", dem Publikumspreis der Deutschen Phonoakademie, ausgezeichnet, weit über eine Million Menschen haben die Konzerte 1997 und '98 besucht, er spielt in den größten Stadien, die es im deutschsprachigen Raum gibt und versammelt dabei bis zu 60.000 (!) Fans bei einem Konzert.

Dabei sind es genau diese Superlativen, die Petry nicht besonders schätzt. "Wenn ich höre, "der Größte, der Beste, der Erfolgreichste", denke ich immer: `Von wem sprechen die? Doch nicht etwa von mir? Ich bin doch nur der Wolfgang, genau so ein einfacher Typ wie alle anderen auch."

Eigentlich mag es Wolfgang Petry auch nicht, wenn über ihn geschrieben wird. Im Interview ist er deshalb wortkarg und beschließt jeden Ansatz einer Plauderei über sich selbst mit: "Das ist doch uninteressant, das will doch niemand wissen." Ganz anders, wenn Petry mit seinen Fans zusammentrifft. Vor den Konzerten sieht man ihn vor dem Stadionzaun bei den wartenden Zuschauern. "Wir reden dann über Gott und die Welt, ich erzähle, was Rosie und ich so erlebt haben und die Fans erzählen von sich. Da erfährst Du mehr über das Leben als aus jeder Zeitung." Seine innere Ruhe und Gelassenheit verdankt der Schlagerkönig zuallererst seiner Familie. Seit über 25 Jahren ist er mit Ehefrau Rosie verheiratet, Sohn Achim (24) ist ebenfalls Musiker und in der Band "TRADEMARK".

Wolfgang Petry hat den rockigen Schlager erfunden und groß gemacht. Das steht fest. Wahrscheinlich hat er auch das Understatement und die Konsequenz erfunden. Jedenfalls macht er verdammt noch mal den Eindruck, der gradlinigste und aufrichtigste Mensch zu sein, der einem je über den Weg gelaufen ist. - Aber das sollte man so nicht sagen. Weil er dann heftig protestieren würde.

MUSIKER STATT KFZ MECHANIKER

Wolfgang Petry und sein Bruder wuchsen in der Kölner Südstadt auf. Der Vater, ein Kfz-Mechaniker, hätte es gern gesehen, wenn Wolfgang in seine Fußstapfen getreten wäre, aber der Sohn hat sich niemals für Autos interessiert. Als der Vater überraschend starb - Petry war 16 Jahre alt - absolvierte Wolfgang Petry eine Feinmechanikerlehre, seiner Mutter zuliebe, die sich um die Zukunft ihrer beiden Kinder sorgte. Sein eigentliches Interesse galt aber schon damals der Musik.

"Ich war ein typischer Feierabendmusiker und ich träumte davon, in einer Beatband zu spielen", erzählt er. Nach der Lehre hält es Petry keinen Tag länger in dem handwerklichen Beruf aus. Zu stark ist die Faszination der Musik und das unkonventionelle Leben der Musiker. "Ich wollte freier leben, unabhängiger sein von Stechkarten und festen Tagesabläufen."

Ein Sprung in eiskaltes Wasser, wie sich schnell zeigt. Mit seiner Freundin Rosie mietet er eine 37 ½ qm große Wohnung in Köln. Oft reichte das Geld für die Miete von 97,50 DM nicht. "Ich weiß noch, daß wir irgendwann unsere Schallplattensammlung verkaufen mußten. Von dem Erlös haben wir Rama, Brot und Linsensuppe gekauft. Das vergißt man auch später nicht, wenn man sich jeden Tag Butter statt Margarine leisten kann - aber schreiben Sie das nicht, das ist doch wirklich uninteressant."

Ende der Siebziger erhält er seinen ersten Plattenvertrag und landet mit der Single "Sommer in der Stadt" seinen ersten großen Hit und auf Platz 3 der ZDF-Hitparade. In den Achtzigern wird es ruhig um ihn und er hält sich mit Auftritten in kleinen Discotheken über Wasser. Wolfgang Petry steht kurz davor, die Musik letztendlich doch an den Nagel zu hängen.

Aber dann kommt der Volltreffer:
Mit seiner Single "Verlieben, verloren" (vergessen, verzeihen) schafft Petry das Comeback in den Neunzigern und ist seitdem der erfolgreichste Schlagerinterpret Deutschlands. Lieder wie "Verlieben, verloren, vergessen, verzeihen", "Wahnsinn" oder "Du bist ein Wunder" sind bereits Schlager-Klassiker geworden.


VON SAUER VERDIENTEM GELD UND DER NÄHE ZU DEN FANS

Aus den schwierigen Jahren, in denen der Erfolg ausblieb, rührt Petrys tief verwurzelte Bodenständigkeit. Auf die Frage, ob Erfolg einen Menschen verändere, sagt er selbstbewußt: "Mich nicht!"
Weil er weiß, wie sehr junge Familien oder arbeitslose Väter mit jeder Mark haushalten müssen, hat Petry stets darauf bestanden, daß die Eintrittspreise für seine Konzerte konstant niedrig bleiben, auch wenn die Veranstalter im Laufe der Jahre dabei graue Haare bekamen. Die Kosten für die Veranstaltungen steigen, der Aufwand auch, die Kartenpreise nicht.

Petry: "Die Leute sollen gut drauf sein, ihre Sorgen mal für ein paar Stunden vergessen und einfach abfeiern. Wie sollen sie das können, wenn sie die ganze Zeit darüber nachdenken müssen, wo sie die Kohle für die teuren Konzertkarten wieder einsparen können. - Aber das brauchen wir nicht schreiben, das ist ja nur meine persönliche Meinung."

Viel wichtiger ist es in seinen Augen, daß die Familienfeste, wie er die Großevents liebevoll nennt, Gelegenheiten der Begegnung, des sich Kennenlernens sind. Nicht ohne Stolz berichtet Wolgang Petry von einem Briefwechsel mit einer Frau, die aufgrund ihrer aufopfernden Tätigkeit für ihr behindertes Kind, gesellschaftlich isoliert und vereinsamt war. Im Petry-Konzert lernte sie, wieder auf Menschen zuzugehen, zu feiern, loszulassen von den drückenden Alltagssorgen. Sogar einige gute Freunde hat sie unter den Zuschauern kennengelernt.

"Das sind meine wirklichen Erfolge", sagt Petry mit strahlenden Augen. "Für diese Frau und für Tausende, die Freundschaft und Harmonie suchen, singe ich. Nicht für die Plattenbosse." Da war es nur konsequent, daß er die Verleihung von Gold- und Platin-CDs untersagt hat. "Ich komme mir dabei völlig fehl am Platze vor. Es geht doch nicht um eine halbe oder eine Million verkaufter Tonträger. Was sind das für schrecklich anonyme Zahlen? Es geht doch um jeden Einzelnen, der sein sauer verdientes Geld für eine CD ausgibt. Jeder Käufer hat seine eigenen Gründe dafür. Da hat mir zum Beispiel ein Mann geschrieben, er habe sich das Album "Einfach geil" gekauft, weil ihm der Titel "Auf Deinem weiten Weg" in einer schweren Stunde sehr geholfen hat. Das ist ein schönes Kompliment. Und ehrlich: Was interessiert es diesen Mann ob noch 499.999 andere Menschen das Album kaufen. Das kann dem doch Scheißegal sein, oder?"

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