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Biographie

Hans-Jürgen Buchner alias "Haindling" ist Prototyp des immer seltener werdenden, kreativen Klangzauberers in einer fad gewordenen Pop-Musiklandschaft und einer der letzten Abenteurer seines Genres. Vor mehr als 20 Jahren stand der Name Haindling einfach nur für den Wallfahrtsort bei Geiselhöring in Niederbayern. Dass der Name Haindling auch eine musikalische Bedeutung bekommen hat, dafür sorgt Hans-Jürgen Buchner, der einen neuen Musikstil geschaffen und weiterentwickelt hat. Er wohnt in Haindling, direkt neben der Kirche im alten Wirtshaus, macht Musik und nennt sie wie die Ortschaft.

Hans-Jürgen Buchner erblickte 1944 in Berlin das Licht der Welt, aufgewachsen ist er in Welchenberg bei Bogen. Heute spielt Buchner eine Vielzahl von Musikinstrumenten. Angefangen hat er mit der Trommel im Wirtshaus seines Onkels, später mit klassischem Klavierunterricht. Im Alter von 16 verlässt er die Schule und macht eine Keramikerlehre. 1965 besteht er die Meisterprüfung in Landshut und eröffnet ein Keramikgeschäft. Später fängt er spasseshalber noch einmal an, Musik zu machen, allerdings im kleineren Kreis; er wird von keiner Band aufgenommen. Damit entwickelt er sein Erfolgskonzept, alle Instrumente selber zu spielen und nacheinander auf einen Mehrspurbandmaschine aufzunehmen. Zusammen mit seiner damaligen Freundin (und jetzigen Frau) Ulrike Böglmüller bestreitet er seinen ersten spontanen Auftritt in Viechtach. Sie spielen Synthesizer und Schlagzeug live, der Rest ist Playback (vgl. die frühen Depeche Mode). Dieses "totale Fiasko" war angeblich der Beginn der heutigen Haindling-Musik, ein Stil den Buchner selbst am ehesten als "volksmusikalische Avantgarde" bezeichnen würde.

Über einige Zwischenstationen wird eine Plattenfirma auf Buchner aufmerksam und 1982 wird das Debüt-Album "Haindling 1" veröffentlicht. Diese Scheibe stösst durch die Bank auf begeisterte Resonanz und wird mit dem "Deutschen Schallplattenpreis" ausgezeichnet. Bis heute ist Buchner der Prototyp des notorisch-kreativen Outsiders in einer immer eintöniger werdenden Pop-Musiklandschaft. "Ich wollte mich nie anbiedern mit meiner Arbeit", konstatiert Buchner. "Ich habe stets nur das gemacht, was ich vor mir selbst vertreten kann. Das ist alles!" Das Fachblatt Musikmagazin gibt ihm Recht und bezeichnet ihn als ein "Komponist musikalischer Drahtseilakte über dem Abgrund der Stile und Trends, die er mit weltfremder Selbstverständlichkeit bewältigt". Von nun an, ist sein Erfolg nicht mehr zu stoppen: Haindling nimmt acht CDs auf, ist mit seiner Band auf Tour, tritt im Fernsehen auf, schreibt Filmmusiken und hat immer wieder neue Ideen.

Haindling ist ein Klangzauberer. Er spielt Klavier, Klarinette, Synthesizer, Bass, Posaune, Trompete, Tenorhorn, Tuba, Saxophon, Pauke, Precussion und Xylophon. Und das ist folglich mit ein Grund, dass seine Lieder reichhaltig instrumentiert sind: "Inzwischen", gesteht Buchner, "ist nicht nur mein Studio mit Instrumenten vollgestopft, sondern sogar Teile meines Wohnzimmers."Auf seinen zahlreichen Reisen in viele Winkel dieser Erde entdeckt Buchner immer wieder andere Instrumente. Aktuellste Errungenschaft des aussergewöhnlichen Klangerfinders - ein komplettes balinesisches Gamelan-Orchester. Kein Wunder, dass deshalb auch asiatische Klänge auf dem aktuellen Album "Karussell" einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen. "Bei mir zu Hause in Haindling", fügt Buchner fröhlich hinzu, "gibt es eine Multi-Kulti-Gesellschaft der Instrumente, die ständig erweitert wird.

Haindling experimentiert mit der Sprache, was Stücke wie "Du Depp du depperter Depp du" oder "Mo mah du" beweisen und er singt meistens in bayrischer Mundart, weil ihm der "american way of life" suspekt ist. Beissender Spott in den Texten, wechselt sich ab mit naiver Poesie, oder süsser Romantik wie bei "Liebe" oder seinem wohl bekanntesten Lied "Lang scho nimmer gsehn". Seine Texte sind keine Schlager im herkömmlichen Sinn, es sind Dichtungen, die ernst zu nehmen sind. Buchner hat noch nie auf den grossen Markt hingearbeitet. Dennoch oder vermutlich gerade deshalb ist er einer der vielgefragtesten Komponisten im deutschsprachigen Raum. Vor zwei Jahren wurde er mit dem angesehenen Preis "Pro Meritis" ausgezeichnet. In 20 Jahren Haindling hat Buchner Kompositionen für rund 500 Fernsehfolgen beigesteuert, rund 15 Kino- und TV-Filme wurden von ihm musikalisch bestückt und er stand mindestens 500 Mal mit seiner Band live auf der Bühne.

Auch wenn zwischen dem letzten Haindling-Studioalbum "Zwischenlandung" und "Karussell" satte 3 1/2 Jahre Pause liegen, war Buchner währenddessen alles andere als untätig - jede Menge Filmmusik hat er in diesem Zeitraum komponiert. Und damit dem Mann nicht langweilig wird, steht nach der Fertigstellung des aktuellen Album "Karussell" noch in diesem Jahr einer ausgeprägte Tour aus, die im Sommer beginnt und bis November fortgesetzt wird.

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