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Biographie

Mit der vielleicht einzigartigsten Stimme ihrer Zeit wurde Annie Lennox zur Ikone, zum Symbol für innovative Qualität, ein echter Star in einer Pop-Kultur, die sich so oft von Trends und Sternchen blenden lässt. Die Songs, ob als Sängerin der Eurythmics oder als Solokünstlerin interpretiert, sind längst ein fester Teil des Soundtracks unseres Lebens. Sie haben uns berührt, wie es nur die Arbeiten der talentiertesten, intuitivsten Künstler vermögen, wenn sie unsere geheimsten Gedanken erraten, in Worte fassen und es ihnen dabei gelingt, das hochgradig Spezielle so treffend plakativ zu verallgemeinern. Kurz gesagt: Annie Lennox ist in der Lage, uns aus der Seele zu sprechen und mit unseren Herzen Kontakt aufzunehmen.

Mit der Veröffentlichung von "Bare", einem erstaunlich direkten, mutigen Album, beweist sie das sogar noch eindeutiger als je zuvor. Es ist gleichzeitig das erste selbst geschriebene Solo-Album seit "Diva" aus dem Jahre 1992. Elf Songs, die eindrucksvoll beweisen, dass sie eine neue Ebene als Singer/Songwriter erreicht hat. Die Stimme hat sich unglaublich entwickelt - was Farbe, Ausdruck und Kraft angeht. Und die Songs? "Sie drücken allesamt negative Gefühle aus. Das muss ich wohl zugeben. Man kann sich dem nicht entziehen", erklärt Annie. Und dann lächelt sie: "Eigentlich sollte dieses Album eher in den ?Selbst-Therapie'-Regalen der Buchläden stehen, als in den Plattenläden."
Es ist jedenfalls das erste musikalische Lebenszeichen seit der 95er-CD "Medusa", einer Kollektion bekannter Interpretationen. Produziert hat ein alter Weggefährte von Annie: Stephen Lipson. Es führt uns in eine schmerzhafte, verzweifelte Welt. Das Ende einer Beziehung steht im Mittelpunkt, textlich umgesetzt mit so originellen Ausdrücken und Gedanken, wie man sie bisher selten gehört hat. Jeder, der jemals Liebeskummer hatte, begreift schnell, dass es sich hier um "the real deal" handelt, ein Stück Wahrhaftigkeit.

"Ich war immer der Meinung, dass Künstler leiden müssen", meint Annie. Ich wusste, sie müssen eine Art schwarzen Schatten auf ihrer Seele spüren, eine Art Kreuz mit sich tragen, um diesen Stempel, dieses Zertifikat zu erlangen, was besagt: Ja, du bist authentisch. Ich kann nur sagen: Ich hab's mir verdient. Jetzt bin auch ich da."

Die Fans werden zweifellos der gleichen Meinung sein. "Bare" klingt absolut zeitgemäß und doch zeitlos. Trotz verschiedenster stilistischer Stimmungen ist es leicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: schwarze amerikanische Wurzeln. Es ist ein Soul-Album im klassischen Sinne, kommt und spricht aus der Seele. "Immer, wenn ich eine Situation analysieren möchte oder wenn ich meine Gefühle ausdrücken möchte, dann schreibe ich was mich beschäftigt auf - ganz instinktiv. In den letzten vier Jahren habe ich viel geschrieben, vieles davon eigentlich nur für mich und sonst niemand. Trotzdem entstanden zeitgleich und genau während dieses Prozesses die neuen Songs. Und ganz klar: Sie sind absolut persönlich. Fakten und Fiktion mischen sich auf eine metaphorische Art und Weise, so dass die Songs auf viele Situationen anwendbar werden. Ich habe den Verdacht, dass sich möglicherweise eine ganze Generation mit dem identifizieren kann, was ich hier sage. Die Trennungen, die persönlichen Tragödien und all das...

Ich kenne eigentlich wenige Leute ab einem gewissen Alter, die überhaupt keinen blassen Schimmer haben, worüber ich hier singe. Diese Gefühle sind ja nicht ausschließlich meine, sie sind vielmehr symptomatisch für jeden erwachsenen Menschen auf dieser Welt."

Annies Glaube an ihr neues Album drückt sich in dem Ehrgeiz aus, es live auf die Bühne und zu ihrem Publikum zu bringen. So wird sie im Frühjahr und Sommer zum ersten Mal überhaupt als Solo-Künstlerin auf Tour gehen. Annie ist begeistert: "Ich habe diese wundervollen Songs - so viele wundervolle Songs, wenn ich allein zurück blicke - und deshalb will ich dort oben stehen, auf meinen eigenen Beinen, zum ersten Mal ganz ich sein und für die Leute singen, ohne eine Spur von Peinlichkeit."
Mit neuen und alten Songs im Gepäck startete die Annie-Lennox-Solo-Tour in den USA bereits im März. Anschließend kommt sie nach Europa. Das Highlight für die britischen Fans wird die Performance im Londoner Club "Sadler's Wells" am 6. und 7. Juni.
"Wenn man Musik hört, die einen bewegt, dann kann das sehr heilend sein. Zumindest empfinde ich das so. An diesem Punkt meines Lebens fühle ich, dass meine Aufgabe auf diesem Planeten darin bestehen könnte, mit anderen Leuten durch meine Songs auf eine sehr emotionale Weise in Kontakt zu treten. Ich meine nicht einfach nur Entertainment. Es geht tiefer. Mir geht es dabei um den wirklichen Austausch von Energien. Es beflügelt mich jetzt schon. Als wir anfingen zu proben, stellte ich fest, dass ich mich als Front-Frau wohler fühlte als je zuvor", verrät Annie.

Für das Konzept des Albumcovers sowie für alle Fotos, die es zum Album geben wird, zeichnet sich Annie zusammen mit dem Grafik-Künstler Allan Martin verantwortlich. "Ich liebe die visuelle Umsetzung von Projekten. Gleichzeitig habe ich mit so vielen Fotografen über die Jahre gearbeitet", erzählt sie. "Obwohl die Ergebnisse fantastisch sein können, bleibt doch die Tatsache: Du triffst sie zum ersten Mal, arbeitest mit ihnen einen Tag lang und bist für sie ?erledigt', sobald es vorbei ist - ohne Input deinerseits, außer natürlich deiner Anwesenheit und deiner Mitarbeit, was das unmittelbare Shooting betrifft. Ich wollte einfach nicht mehr dieses passive Ding sein. Diesmal wollte ich das Bild von Grund auf selbst erschaffen, ohne den Filter oder den Einfluss anderer. Und das Experimentieren war unglaublich befriedigend; Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes."
Herausfordernd? Ganz klar. Nicht ganz leichte Kost? Mit Sicherheit. Und trotz der relativ düsteren Thematik ist "Bare" ein beflügelndes, ein triumphales Album einer Künstlerin, die lernte zu akzeptieren, sich zu entwickeln, sich für die Zukunft neu zu öffnen und sich mit diesem Meilenstein ihrer Karriere einmal mehr selbst übertroffen hat.


Mit ihren eigenen Worten: Annies Kommentare zu den Songs von "Bare"

1000 Beautiful Things:
"Ein Freund von mir pflegte zu sagen, dass ich ein Glas immer als halbleer ansah, statt als halbvoll. Er hatte Recht. So war es. So ist es immer noch. Dieser Song ist eine Art Bewusstmacher für mich: Ich sollte schließlich dankbar dafür sein, hier und jetzt in dieser Welt zu leben. Manchmal, wenn du dich an einem sehr dunklen Ort befindest, ist es hart sich an die Gründe zu erinnern, dankbar zu sein. In solchen Momenten, muss man zu den einfachsten Dingen zurückfinden. Es geht dann darum, einen existenzialistischen Weg zu finden, sein Leben zu leben und die Schönheit wieder zu entdecken, die einen umgibt."

Pavement Cracks:
"Kinder haben so eine wahnsinnig intuitive Art, auf die Welt zu reagieren. Sie springen umher, weil sie glücklich sind. Sie können ihre Begeisterung in einen einzigen Moment legen - auf einen Teller Makkaroni konzentrieren, der vor ihnen auf dem Tisch steht. Wir verlieren diese Naivität je älter wir werden. Das Leben prügelt es aus uns heraus. Trotzdem tragen wir diese wundervolle Möglichkeit in uns, neu zu wachsen. In meiner schlimmsten Zeit lief ich mit hängendem Kopf herum, sah nur die Risse in den Platten des Bürgersteigs. Plötzlich fielen mir die Grashalme auf, wie sie zwischen den Platten durchbrachen, wie eine Metapher für Hoffnung. Es ist alles nicht so aussichtslos. Veränderung kommt, auch wenn es nicht danach aussieht."

The Hurting Time:
"Ein Song voller Trauer. Aber er entstand in einer Phase zunehmender Akzeptanz. Wenn du so viel geheult hast, dass du dich völlig ausgewaschen fühlst und keine Tränen mehr übrig sind, dann beugst du dich dem Unabwendbaren. Nach jedem Verlust muss es eine Zeit der Trauer geben. Es ist etwas durch das man gehen muss, früher oder später, ohne Ausnahme. Es ist ein Teil der menschlichen Natur. Von dem Moment als wir in den Kreislauf des Lebens geboren werden, tragen wir die Tatsache unseres individuellen Todes mit uns herum. Wenn er kommt, sprichwörtlich oder als Tod einer Beziehung... das ist The Hurting Time."

Honestly:
"Dieser Song wuchs aus einem Nachdenk-Kollaps. Das menschliche Gehirn ist eine faszinierende Sache. Es ist in der Lage, unglaublich viele Gespräche zu speichern. Wenn der Herz-Teil auf eine bestimmte Situation reagiert, dann ist ein anderer rationaler Teil in der Lage, diese Reaktion zu beobachten und zu kommentieren. Und ein weiterer Teil beobachtet die Beobachtung und kommentiert sie, und so weiter...
Bei diesem Stück reflektiert die Musik zwei laufende Dialoge (eine agierende Phrase und eine weitere, die auf die erste reagiert), die beide nach Verständnis suchen."

Wonderful:
"Dieser Song hat so ein Alicia Keys-Feeling. Es geht um den Wunsch mit jemanden zusammen zu sein. Es geht um Sehnsucht, Erotik. Und wie wir alle wissen, kann Sehnsucht sehr giftig sein und abhängig machen. Es geht weit über das rationale hinaus. Es geht viel tiefer. Du magst sogar ahnen, dass die Person, zu der es dich zieht, die völlig falsche ist. Doch hält dich das auf? Nein! Die Beziehung mag noch so schlecht für dich sein - ungesund, rücksichtslos, falsch in jeder Beziehung... Aber Junge, du rauschst in die falsche Richtung und sogar noch mit voller Geschwindigkeit. Ein Umstand, den viele von uns schon mal erlebt haben, denke ich."

Bitter Pill:
"Ich habe viele starke Gefühle und denke, dass es besser für mich ist, sie in eine Liedform zu bringen, statt sie in mich hinein zu fressen. Ärger und Aggression zu spüren ist nicht mein Ding. Aber manchmal muss man zugeben, wie die Dinge nun mal für einen stehen, sonst gärt die Verbitterung in dir und frisst dich auf.
Damit meine ich nicht, dass es sich hier um einen Rache-Song gegen eine bestimmte Person handelt und so soll er auch nicht verstanden werden. Es geht hier vielmehr darum, ein Bewusstsein für bestimmte Gefühle zu bekommen, die wir alle von Zeit zu Zeit haben und mit denen wir lernen müssen umzugehen."

Loneliness:
"Es ist schon komisch. Hier in der westlichen Welt streben wir danach ein erfolgreiches, erfülltes Leben zu führen, und deshalb ist es wirklich ziemlich erschreckend und fast peinlich, wenn jemand sagt: Ich vermisse etwas in meiner Welt und ja, ich bin einsam. Nun ich bin in der Lage das für mich zu sagen. Nimm jemandem das glücklichste, was er hat: Freunde, Familie, vertraute Plätze. Er wird genauso fühlen. Aber es geht nicht nur um körperliche Einsamkeit. Du kannst sogar neben jemandem liegen und dich trotzdem einsam fühlen."

The Saddest Song:
"Dieser Titel geht mir sehr nahe. Er fasst es eigentlich alles zusammen. Ich sah auf diese Tasche voller Songs, die ich geschrieben hatte und hier war dieser eine, der traurigste von allen. Ganz klar, er handelt von dem Ende einer Beziehung. Aber es ist auch ein Song über die Akzeptanz. Es gibt keinen Grund, keinen Versuch von mir, die Tatsache zu verheimlichen, dass dies ein Album mit Songs über negative Gefühle ist. Deshalb heißt das Album "Bare". Aber es geht auch darum, diese Gefühle zu kanalisieren, um sie schließlich hinter mir zu lassen. In diesem Sinne ist es aufbauend."

Erased:
"Als ich elf Jahre alt war, starb eine Großtante von mir, und ich begleitete meine Eltern zu ihrem Haus, um es aufzulösen. Es wurde die größte Lektion in meinem jungen Leben. Ein erleuchtender Moment. Alles war so wie es immer war - das Sofa , die Stühle, der gedeckte Tisch. Und doch wirkte es auf mich wie eine Theaterkulisse, weil sie gegangen war. Ausgelöscht. Und genau das begegnet einem immer wieder im Leben. Situationen, die man für ewig hält, verschwinden plötzlich. Umstände verändern sich. Menschen verschwinden aus unserem Leben. Genau davon handelt dieser Song."

Twisted:
"Hier geht es um Miss- und Nicht-Verständnis. Wenn du in einer funktionieren Beziehung steckst und alles gegenseitig ist... Nun, was gibt es Schöneres als für einen anderen Menschen da zu sein, den man liebt? Du sprichst und sie hören zu. Sie sprechen und du hörst zu. Ihr versteht euch. Aber, wenn die Sache schief läuft, gerät sie aus dem Ruder. Plötzlich ist es so, als spricht man zwei verschiedene Sprachen. Du kannst dich nicht mehr verständlich machen und jeder versucht es trotzdem zu tun, das macht die Sache nur noch schlimmer. Das ist die absolute Frustration."

Oh God:
"Zuerst denkt man, das ist der düsterste Moment auf dem kompletten Album, denn wenn du depressiv bist, versinkst du an einem sehr dunklen Ort. Der Song steht für das Gebet eines Menschen, der eigentlich nicht an Gott glaubt und deshalb auch nicht davon überzeugt ist, dass jemand zuhören könnte. Aber die Hoffnung auf Verbesserung gepaart mit dieser niedrigen Erwartung, stellt eine Art Optimismus dar - eine Wandlung von negativen Mustern zu positiveren. In diesem Sinne steht die Hoffnung symbolisch für Entwicklung und für Zukunftsperspektive."

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